Mittelohrentzündung: Wie erkennt man sie rechtzeitig, lindert die Schmerzen und beugt ihr wirksam vor?

Schon beim Gedanken an Ohrenschmerzen geraten Sie in Panik? Das wundert uns nicht. Die akute Mittelohrentzündung, auch Otitis media genannt, gehört nämlich zu den schmerzhaftesten häufigen Erkrankungen. Sie beginnt mit einem harmlosen Schnupfen oder einer Erkältung und endet nicht selten in der Notaufnahme. Vielleicht dachten Sie, dass sie nur Kinder betrifft, doch Vorsicht: Auch Erwachsene bleiben nicht verschont. Wie erkennt man sie rechtzeitig, was hilft bei einer Mittelohrentzündung und vor allem, wie kann man ihr vorbeugen?

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Was ist eine Mittelohrentzündung und wie entsteht sie?

Was genau passiert in Ihrem Ohr? Eine Infektion der oberen Atemwege (Schnupfen oder ein Virusinfekt) verursacht eine Schwellung im Nasenrachen. Die Eustachische Röhre, die das Mittelohr mit dem Nasenrachen verbindet und normalerweise kleine Mengen Schleim in den Nasenrachen ableitet, verengt sich dadurch oder ist sogar ganz verstopft. Im Mittelohr entsteht so ein Unterdruck, Flüssigkeit sammelt sich an, in der sich Mikroorganismen bequem vermehren können – und so entsteht hinter dem Trommelfell eine Entzündung. Das Trommelfell ist normalerweise undurchlässig, durch die Entzündung kann es jedoch reißen (bzw. wird es vom Arzt durchstochen).

Eine Mittelohrentzündung ist bei Erwachsenen keine Ausnahme, häufiger betrifft sie jedoch Kinder. Warum?

  • Die Eustachische Röhre ist bei Kindern noch nicht voll entwickelt, sie ist kurz und verläuft waagerecht, sodass eine Infektion aus der Nase leichter ins Ohr gelangt.
  • Kinder unter 3 Jahren haben zudem vergrößerte Rachenmandeln (Polypen), die erst mit der Zeit kleiner werden. Ihre Schwellung verschlechtert ebenfalls die Durchgängigkeit der Eustachischen Röhre.
  • Ein weiterer Grund für die häufigen Mittelohrentzündungen bei Kindern ist ihr sich erst entwickelndes Immunsystem.
TIPP: Unterscheiden Sie zwischen einer Mittelohrentzündung und einer Gehörgangsentzündung. Bei einer Gehörgangsentzündung ist die Haut des äußeren Gehörgangs entzündet, also des Kanals, der von der Ohrmuschel zum Trommelfell führt. Die Mittelohrentzündung liegt erst hinter dem Trommelfell. Hinter einer Gehörgangsentzündung steckt oft Wasser im Ohr, etwa vom Schwimmen oder Tauchen, deshalb nennt man sie auch „Schwimmerohr“.

Wie erkennt man eine Mittelohrentzündung?

Da Kinder ihre Empfindungen oder Schmerzen oft noch nicht genau beschreiben können, unterscheiden wir die Symptome bei Erwachsenen und bei Kindern.

Typische Symptome bei Erwachsenen:

  • Auf eine mögliche Entzündung sollte Sie vor allem ein stechender Ohrenschmerz aufmerksam machen.
  • Das Ohr kann sich verstopft anfühlen, vielleicht bemerken Sie eine Schwerhörigkeit, Pfeifen oder Rauschen in den Ohren.
  • Häufige Begleiterscheinung ist Fieber.

Typische Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern:

  • Ein deutliches Signal ist untröstliches Weinen.
  • Sie bemerken, dass das Kind häufig ans Ohr greift.
  • Unruhe in der Nacht, da sich der Schmerz im Liegen verstärkt.
  • Verweigerung von Essen und Trinken, weil das Kind beim Schlucken Schmerzen hat.

Wenn der Kranke nicht auf übliche Schmerzmittel anspricht, hohes Fieber bekommt oder Ausfluss aus dem Ohr auftritt (was bedeutet, dass das Trommelfell gerissen ist), sollten Sie die Notaufnahme aufsuchen.

Drei Arten der Entzündung: akut, chronisch und mit Erguss

  1. Die akute Mittelohrentzündung ist am häufigsten. Meist tritt sie als Folge eines Schnupfens oder einer Erkältung auf und heilt bei richtiger Behandlung in der Regel ohne Folgen aus. Die Beschwerden klingen innerhalb von 1–2 Wochen vollständig ab.
  2. Wenn sich der Ausfluss aus dem Ohr wiederholt und weder Fieber noch starke Schmerzen auftreten, leiden Sie wahrscheinlich an einer chronischen Mittelohrentzündung. Das Trommelfell ist dauerhaft durchlöchert, das Ohr kann verstopft sein oder jucken. Diese Form ist eindeutig die gefährlichste, sie kann bis zu dauerhafter Schwerhörigkeit und langanhaltendem Tinnitus führen.
  3. Die Mittelohrentzündung mit Erguss ist eine Form der Entzündung, die in der Regel ohne Fieber und Schmerzen verläuft, bei der aber trotzdem Flüssigkeit hinter dem Trommelfell bleibt, die Geräusche dämpft und das Ohr verstopft. Sie tritt am häufigsten bei Kindern (etwa 2–6 Jahre) auf, wegen der erwähnten noch nicht ausgereiften Eustachischen Röhre. Sie kann nach einer akuten Mittelohrentzündung auftreten, aber auch nach einer Erkältung, bei Allergien oder bei vergrößerten Rachenmandeln. Sie kann wochenlang andauern.

Erste Hilfe und Behandlung: Was hilft gegen Ohrenschmerzen?

Die schnellste Linderung verschaffen Schmerzmittel. Sie können zwischen Paracetamol und Ibuprofen wählen, je nachdem, welches Mittel Sie bevorzugen. Allgemein gilt: Paracetamol ist magenschonender, Ibuprofen wirkt nicht nur gegen Schmerzen und Fieber, sondern auch entzündungshemmend.

TIPP: Bei Kindern richtet sich die Dosierung von Schmerzmitteln nach ihrem Körpergewicht.

Eine sofortige Hilfe vor Ort kann ein kalter Umschlag sein, der die Schwellung lindert. Manchmal wird auch empfohlen, ein mit Alkohol getränktes Wattebäuschchen ins Ohr zu legen, aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt.

Wichtig ist es, auch an die eigentliche Ursache zu denken, also an den Schnupfen oder die Erkältung. Die Nase muss unbedingt mit abschwellenden Nasensprays freigemacht werden, die die Schwellung der Schleimhäute lindern und helfen, die Eustachische Röhre wieder durchgängig zu machen. Den Schleim versuchen wir auszuschnäuzen, bei Kindern abzusaugen. Ist auch Husten „mit im Spiel“, kommen passende Tropfen oder Sirup zum Einsatz.

Wird die Entzündung von hohem Fieber oder Ausfluss aus dem Ohr begleitet, ist der nächste Schritt der Besuch beim Arzt. Je nach Situation verschreibt er Ihnen entzündungshemmende Tropfen oder Antibiotika. Der Arzt kann auch direkt eine Parazentese durchführen, also das Trommelfell durchstechen und das Sekret absaugen. Nach dem Eingriff folgt sofortige Erleichterung.

TIPP: Die Heilung nach dem Durchstechen des Trommelfells dauert 2–3 Wochen.

Wenn Sie nicht zum Arzt gehen, kann das Trommelfell reißen. Auch dann tritt Erleichterung ein, die Flüssigkeit kann jedoch eine Entzündung des Schläfenbeins, des Gesichtsnervs oder des Innenohrs verursachen, also weitere gesundheitliche Komplikationen.

Behandlung zu Hause oder Arztbesuch?

Niemand möchte die Nacht in der Notaufnahme verbringen (bei einer Mittelohrentzündung verschlechtert sich der Zustand vor allem abends und nachts im Liegen), deshalb hoffen die meisten, die Entzündung mit Tropfen und Umschlägen „wegzubekommen“.

Wann reicht die Behandlung zu Hause?

  • Die Ohrenschmerzen dauern weniger als 48 Stunden.
  • Das Fieber ist leicht.
  • Zur Schmerzlinderung reichen Schmerzmittel.
  • Sie bemerken keinen Ausfluss aus dem Ohr.
  • Sie achten auf Ruhe und ausreichendes Trinken, verwenden Nasentropfen und sind ansonsten gesund.
TIPP: Entzündungen können viral oder bakteriell sein. Sind sie viral, ist eine Behandlung mit Antibiotika ungeeignet und der Zustand bessert sich meist innerhalb von 2–3 Tagen. Bakterielle Infektionen erfordern dagegen Antibiotika.

Wann ist ein Arztbesuch angebracht?

  • Die Ohrenschmerzen dauern länger als 48 Stunden (nach 24 Stunden keine Besserung).
  • Das Fieber liegt über 39 °C.
  • Aus dem Ohr fließt Eiter.
  • Das Hörvermögen verschlechtert sich deutlich.
  • Die Entzündung wird von Erbrechen begleitet.
  • Handelt es sich um Babys unter 6 Monaten, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder um wiederkehrende Entzündungen, suchen Sie unbedingt sofort einen Arzt auf.

Vorbeugung: Wie vermeidet man Entzündungen ein für alle Mal?

Gesundheitlichen Problemen geht man am besten aus dem Weg. Sie denken sich wahrscheinlich, dass das ein Ratschlag ist, der Gold wert ist – und genau so ist es. Vorbeugung ist nämlich auch bei der Mittelohrentzündung die beste Lösung.

Tipp Nr. 1 – Wenn Sie sich erkälten, nehmen Sie den Schnupfen weder bei sich noch bei Ihren Kindern auf die leichte Schulter. Naseputzen und das Reinigen der Nebenhöhlen sind die Grundlage. Können Kinder noch nicht schnäuzen, kommt das Absaugen an die Reihe. Eine wichtige Rolle spielen auch abschwellende Nasensprays.

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Tipp Nr. 2 – Was die eigentliche Ohrenpflege betrifft, können Sie nach dem Duschen die Stellen abtrocknen, die Sie mit dem Handtuch erreichen. Wenn Sie an Wattestäbchen gewöhnt sind, reinigen Sie damit nur die äußeren Bereiche des Ohrs. Führen Sie das Stäbchen auf keinen Fall tiefer in den Gehörgang ein. Sie entfernen damit nicht nur das schützende Ohrenschmalz, sondern schieben das Ohrenschmalz auch zum Trommelfell. Dadurch entsteht Druck, und wenn sich auf der Innenseite des Trommelfells gerade eine Entzündung entwickelt, verschlimmern Sie die Situation nur. Neben Wattestäbchen gibt es noch weitere Alternativen wie Ohrensprays, Ohrentropfen oder auch elektronische Ohrenreiniger mit Kamera.

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Tipp Nr. 3 – Wenn Sie oder Ihre Kinder eine Mittelohrentzündung bekommen, können Ihnen Ohrstöpsel helfen, die schwierigen Tage zu überstehen. Natürlich handelt es sich nicht um eine Behandlung, sondern um ein Hilfsmittel für ruhigeren Schlaf und den Schutz der Ohren vor Wind oder Kälte. Bei einem verletzten Trommelfell oder Ausfluss aus dem Ohr können sie auch beim Duschen verwendet werden. Für Ihre Kleinen wählen Sie am besten direkt Ohrstöpsel für Kinder. Wenn das Ohr bei Berührung stark schmerzt, verwenden Sie keine Ohrstöpsel.

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Tipp Nr. 4 – Alle, die wiederverwendbare Ohrstäbchen benutzen, wissen sehr gut, dass die Hygiene aller Hilfsmittel zum Gehörschutz das A und O ist. Reiniger oder Reinigungstücher reinigen und desinfizieren, wie der Name schon sagt, und verlängern zugleich die Lebensdauer der Hilfsmittel.

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Tipp Nr. 5 – Wenn Sie unter Entzündungen des äußeren Gehörgangs leiden, also ein sogenanntes Schwimmerohr haben, empfehlen wir Ihnen unbedingt Ohrstöpsel zum Schwimmen und Stirnbänder zum Schwimmen aus Neopren. Diese Kombination bietet Ihnen auch bei häufigen Schwimmbadbesuchen ausreichenden Schutz vor Wasser in den Ohren und den daraus folgenden Komplikationen.

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Häufig gestellte Fragen

  • Ist eine Mittelohrentzündung ansteckend?

Die Mittelohrentzündung selbst ist nicht ansteckend, ihre Ursache, meist eine Erkältung, ist es jedoch sehr wohl.

  • Darf ich mit einer Mittelohrentzündung fliegen?

Ist die Entzündung aktiv, wird davon abgeraten. Gefährlich ist die Druckänderung beim Start und bei der Landung, denn für den Druckausgleich ist gerade die Eustachische Röhre zuständig, die bei einer Mittelohrentzündung geschwollen oder verstopft ist. Es kann zu einem Barotrauma des Ohrs kommen, also zu einer Gewebeschädigung durch den Druckunterschied zwischen der Umgebung und den Hohlräumen im Körper. Am besten besprechen Sie Ihren konkreten Fall mit dem Arzt.

  • Helfen Ohrkerzen?

Es heißt, sie könnten die Entzündung aus dem Ohr „herausziehen“, dafür gibt es jedoch keinen Beweis. Bei einer Mittelohrentzündung sitzt die Infektion hinter dem Trommelfell, die Kerze kann sie also gar nicht erreichen.

Eine Mittelohrentzündung sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Andererseits hinterlässt die Entzündung bei richtiger Behandlung in den meisten Fällen keine Folgen. Ist der Verlauf mild und wissen Sie über die möglichen Vorgehensweisen Bescheid, können Sie es mit einer Behandlung zu Hause versuchen. Bei schwerem Verlauf, Komplikationen oder wenn kleine Kinder betroffen sind, ist ein Arztbesuch unumgänglich. Vernachlässigen Sie auch nicht die Hörkontrolle nach dem Abheilen, sie kann möglichen Komplikationen wie Tinnitus vorbeugen. Vorbeugung ist das A und O, achten Sie deshalb auf die Ohrenpflege.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text keine ärztliche Hilfe ersetzt, er beruht jedoch auf Fachquellen.